Anwendungsgebiete:
Lokale und regionale Nervenblockade.
Nicht Anwenden bei:
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden:
• bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Säureamid-Typ, falls nicht eine schrittweise Testung unter optimalen Sicherheitsbedingungen durchgeführt wird, sowie bei Überempfindlichkeit gegen einen der sonstigen Bestandteile
• bei schweren Störungen des Herz-Reizleitungssystems
• bei akut dekompensierter Herzinsuffizienz
• bei kardiogenem oder hypovolämischen Schock
• in der Geburtshilfe bei einer drohenden oder bereits bestehenden Blutung zur Epiduralanästhesie.
Zusätzlich sind die speziellen Gegenanzeigen für die Spinal- und die Periduralanästhesie zu beachten, wie z.B.
• nicht korrigierter Volumenmangel
• erhebliche Störungen der Blutgerinning
• erhöhter Hirndruck.
Nur mit besonderer Vorsicht darf Lidocain angewendet werden
• bei Nieren- oder Lebererkrankungen
• bei Myasthenia gravis
• zur Injektion in ein infiziertes Gebiet.
Vorsicht be älteren Patienten: Plötzliche arterielle Hypotension als Komplikation bei Periduralanästhesie mit Lidocainhydrochlorid kann, besonders bei älteren Patienten, auftreten.
Eine Anästhesie bei gleichzeitiger Vorsorgetherapie zur Veremidung von Thrombosen (Thrombosenprophylaxe) mit niedermolekularem Heparin sollte nur unter besonderer Vorsicht durchgeführt werden.
Das Risiko postspinaler Kopfschmerzen, das bei Jugendlichen und Erwachsenen bis ca. 30 Jahren bei der Durchführung der Spinalanästhesie gegeben ist, lässt sich durch die Wahl geeigneter dünner Injektionskanülen deutlich senken.
Schwangerschaft und Stillzeit:
• Über die Anwendung von Lidocainhydrochlorid in der Schwangerschaft liegen keine Daten für ausreichende Beurteilung der Anwendungssicherheit vor.
Obwohl die lokale oder regionale Nervenblockade bei einer Reihe von ärztlichen Eingriffen als die schonendste Methode gilt, sollte während der Schwangerschaft die Verabreichung von Lidocainhydrochlorid unter Abwägung von Nutzen und Risiko nur dann erfolgen, wenn dies unbedingt erforderlich ist.
Lidocainhydrochlorid ist in Konzentrationen > 1% in der Geburtshilfe nicht anzuwenden.
Kontraindiziert ist die Periduralanästhesie mit Lidocainhydrochlorid in der Geburtshilfe bei drohenden starken Blutungen oder tiefer Implantation der Plazenta.
Die Verwendung von Lidocain bei der Parazervikalblockade kann zu einer Tachykardie oder Braddykardie des Fötus führen. Eine akzidentielle Injektion in die Subkutis des Fötus während einer Parazervikal- oder Perinealblockade kann zu Apnoe, Hypotonie und Krampfanfällen führen und stellt ein lebensbedrohendes Risiko für das Neugeborenen dar.
• Lidocain geht in geringer Menge in die Muttermilch über. Eine Gefahr für den Säugling erscheint bei therapeutischen Dosen unwahrscheinlich.
Anwendung:
Hinweise:
• Grundsätzlich gilt, dass nur die kleinste Dosis verabreicht werden darf, mit der die gewünschte ausreichende Anästhesie erreicht wird. Die Dosierung ist entsprechend den Besonderheiten des Einzelfalles individuell vorzunehmen. - Bei Applikation in Gewebe, aus denen eine schnelle Resorption von Substanzen erfolgt, sollte eine Einzeldosierung von 300 mg Lidocain ohne Vasokonstriktorzusatz oder 500 mg Lidocain mit Vasokonstriktorzusatz nicht überschritten werden.
Empfohlene Einzeldosen für Erwachsene und Jugendliche über 15 Jahre:
• Oberflächenanästhesie (unabhängig von der Darreichungsform):
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 0,5 bis 2%.
• Infiltration:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 0,5 bis 2%.
• Infiltrations- und Leitungsanästhesie in der Zahnheilkunde:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 2-3%.
• Periphere Nervenblockade:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 1-2%.
• Stellatum-Blockade:
Einzeldosis: bis zu 100 mg; Konzentration: 1%.
• Grenzstrang-Blockade:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 1%.
• Paravertebralanästhesie:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 1%.
• Epiduralanästhesie:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 0,5 bis 2%.
• Feldblock:
Einzeldosis: bis zu 500 mg; Konzentration: 0,5 bis 2%.
• Intravenöse Regionalanästhesie:
Einzeldosis: bis zu 300 mg; Konzentration: 0,5 bis 2%.
• Hautquaddeln:
Einzeldosis: pro Quaddel zu 20 mg; Konzentration: 0,5 bis 1%.
• Lidocain kann mit einem vasokonstriktorischen Zusatz wie z.B. Epinephrin zur Wirkungsverlängerung kombiniert werden. Es hat sich ein Epinephrinzusatz von 1:100000 bis 1:200000 bewährt. Besonders im Bereich der Zahnheilkunde kann die Verwendung eines Vasokonstriktor-haltigen Lokalanästhetikums bei Einsatz von kurz- bis mittellangwirkenden Substanzen unverzichtbar sein. Lidocain mit Epinephrinzusatz sollte nur für Anästhesien im Gesichtsbereich (Zahn, Mund, Kiefer) eingesetzt werden.
• Bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand z.B. veränderter Plasmaeiweißbindung (z.B. Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, Karzinomerkrankungen, Schwangerschaft) müssen grundsätzlich niedrigere Dosen angewendet werden.
• Bei Patienten mit Niereninsuffizienz wird eine verkürzte Wirkzeit der Lokalanästhesie beobachtet. Dies wird auf einen beschleunigten Transport der Lokalanästhetikums in die Blutbahn, durch Azidose und gesteigertes Herz-Zeit-Volumen zurückgeführt.
• Bei Lebererkrankungen ist die Toleranz gegen Säureamid-Lokalanästhetika herabgesetzt. Verantwortlich hierfür wird ein verminderter hepatischer Metabolismus gemacht sowie eine verringerte Proteinsynthese mit einer daraus resultierenden niedrigeren Plasmaproteinbindung von Lokalanästhetika. In diesen Fällen wird ebenfalls eine niedrigere Dosis empfohlen.
• Bei Patienten mit einem zerebralen Anfallsleiden muß verstärkt auf die Manifestation zentralnervöser Symptome geachtet werden. Auch bei niedrigen Lidocaindosen muß mit einer gesteigerten Krampfbereitschaft gerechnet werden. Beim Melkersson-Rosenthal-Syndrom können allergische, toxische Reaktionen des Nervensystems auf Lokalanästhetika vermehrt auftreten.
• Bei Patienten mit Zeichen einer Herzinsuffizienz oder klinisch relevanten Störungen der kardialen Erregungsbildung und -ausbreitung ist die Dosis zu reduzieren und eine stete Kontrolle der Funktionsparameter erforderlich, auch nach Wirkungsende des Lokalanästhetikums. Nichtsdestoweniger kann die lokale oder regionale Nervenblockade das anästhesiologische Verfahren der Wahl sein.
• Bei älteren Patienten muss eine Dosisanpassung vorgenommen werden.
• Für Kinder sind die Dosierungen unter Berücksichtigung von Alter und Gewicht individuell zu berechnen. Für die Anwendung bei Kindern werden niedrigdosierte Lidocainhydrochlorid-Lösungen gewählt.
• In der geburtshilflichen Periduralanästhesie ist wegen der veränderten anatomischen Verhältnisse eine Dosisreduktion um etwa ein Drittel erforderlich.
Art und Dauer der Anwendung:
• Lidocainhydrochlorid wird in Abhängigkeit von dem jeweiligen Anästhesieverfahren intrakutan, subkutan oder zur rückenmarksnahen Leitungsanästhesie peridural injiziert, in einem umschriebenen Bezirk in das Gewebe eingespritzt (Infiltration) oder in Abhängigkeit von den anatomischen Verhältnissen nach gezielter Punktion lokal appliziert.
• Lidocainhaltige Injektionslösungen sollten nur von Personen mit entsprechenden Kenntnissen zur erfolgreichen Durchführung der jeweiligen Anästhesieverfahren angewendet werden.
• Grundsätzlich gilt, dass bei kontinuierlicher Anwendung niedrig konzentrierte Lösungen appliziert werden.
• Vor der Durchführung einer Lokalanästhesie ist grundsätzlich auf gute Auffüllung des Kreislaufes zu achten. Bestehende Hypovolämien müssen behoben werden.
• Eine intravenöse Injektion oder Infusion darf nur unter sorgfältiger Kreislaufüberwachung erfolgen. Alle Maßnahmen zur Beatmung, antikonvulsiven Therapie und Reanimation müssen vorhanden sein.
• Bei Anwendung im Hals-Kopf-Bereich besteht ein höherer Gefährdungsgrad, weil das Risiko für zentralnervöse Intoxikationssymptome erhöht ist.
• Vor der periduralen Injektion des Lokalanästheikums ist darauf zu achten, dass das Instrumentarium zur Wiederbelebung wie z.B. zum Freihalten der Atemwege, zur Sauerstoffzufuhr und die Notfallmedikation sofort verfügbar sind. Es ist zu beachten, dass unter Behandlung mit Blutgerinnugnshemmern (Antikoagulantien, wie z.B. Heparin), nichtsteroidalen Antirheumatika oder Plasmaersatzmitteln nicht nur eine versehentliche Gefäßveletzung im Rahmen der Schmerzbehandlung zu ernsthaften Blutungen führen kann, sondern dass allgemein mit einer erhöhten Blutungsneigung gerechnet werden muss. Ggf. sollten die Blutungszeit und die partielle Thromboplastinzeit (PTT), resp. aktivierte partielle Thrombosplastinzeit (aPTT) bestimmt, der Quick-Test durchgeführt und die Thrombozytenzahl überprüft werden. Diese Untesuchungen sollten bei Risikopatienten auch im Falle einer Low-dose-Heparinprophylaxe (vorsorgliche Behandlung mit dem Blutungsgeringhemmer Heparin in nideriger Dosis) vor der Anwendung von Lidocain durchgeführt werden. Ggf. ist die Antikoagulantientherapie zeitig genug abzusetzen.
Zur Vermeidung von Nebenwirkungen sollten folgende Punkte beachtet werden: - bei Risikopatienten und bei Verwendung höherer Dosierungen (> 25% der maximalen Einzeldosis bei einzeitiger Gabe) intravenösen Zugang für Infusion anlegen (Volumensubstitution)
• Dosierung so niedrig wie möglich wählen
• in der Regel keinen Vasokonstriktorzusatz verwenden
• korrekte Lagerung des Patienten beachten
• vor der Injektion sorgfältig in zwei Ebenen (Drehung der Kanüle um 180°) aspirieren
• nicht in infizierte Bereiche injizieren
• Injektion langsam vornehmen
• Blutdruck, Puls und Pupillenweite kontrollieren
• allgemeine und spezielle Kontraindikationen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln beachten.
Haltbarkeit:
• Vor Licht geschützt aufbewahren
• Die Injektionslösung ist für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Die Anwendung muß unmittelbar nach dem Öffnen der Ampulle erfolgen. Nicht verbrauchte Reste sind zu verwerfen.